Sonntag, 18. August 2013

Grenzen des Nicht-Wachstums

Bei konstanter Bevölkerungszahl und limitierten Ressourcen bzw. limitierter Ressourcenregeneration ist auf Dauer nur ein Leben mit konstanter Ressourcenregeneration gleich dem Ressourcenverbrauch oder aber steigender Ressourcen-Nutzungseffizienz, also sinkendem Ressourcenverbrauch, wenn der Ressourcenverbrauch größer als die Ressourcenregeneration ist.
Bei steigender Bevölgerungszahl sind konstante Lebensverhältnisse nur durch Steigerung der Ressourcennutzungseffizienz nachhaltig zu meistern, also durch Wachstum. Wachstum im Sinne einer wachsenden Wertmenge, nicht aber einer steigenden Ressourcenverbrauchsmenge. Die Bezugsgröße des Wachstums ist entscheidend und leider oft auf den letztgenannten Begriff bezogen. Noch einmal: Wachstum ist Wachstum der Wertmenge, die summarisch den Menschen zur Verfügung steht. Wert sei hier mit allgemein anerkannten Bedürfnis-Befriedigungsmöglichkeiten gleichgesetzt. Bedürfnisse, wie sie beispielsweise durch Maslow beschrieben sind.
Für die Jahre 2010 bis 2050 ist Wachstum daher ein Gebot der Ethik, da die Bevölkerung in dieser Zeit stark steigen wird. Die Industrienationen, ohne Bevölkerungswachstum, sollten dazu ebenso, ja sogar in besonderem Maße beitragen, da sie bereits weit technologisch und organisatorisch-strukturell fortgeschritten sind.
Wachstum ist per se gut und wichtig, um die Lebensverhältnisse zu verbessern, die in weiten Teilen der Welt als objektiv zu gering, also unbefriedigt bzgl. der grundlegenden Bedürfnisse, einzustufen sind.
Woher also die Kritik am Wachstum? Meine Kritik gilt dem Nicht-Wachstum!
Wirklich begründet ist Kritik beim Blasen-, Zahlen- oder Pseudowachstum, also dem Wachstum, das nicht in der Realtität ankommt. Weiterhin kritisch zu betrachten ist das Realwachstum, das nur bei einer sehr kleinen Schicht ankommt. Diesem Phänomen der Ungerechtigkeit kann und muss z.B. durch Umverteilung nach gerechten und leistungsorientierten Kriterien begegnet werden. Gleichheit ist hier nicht das Ziel.
Diese Kriterien zu definieren und umzusetzen und im Folgenden eine rigorose Wachstumsförderung zu betreiben, muss also das Ziel sein.
Im Gegensatz zum üblichen Wachstumsbegriff wird hier auf den Wert, unter Einbeziehung der Summe zukünftiger Werteinheiten, die in einer als lange genug für nachhaltige Abschätzungen anzunehmenden Zeitspanne betrachtet werden, bezogen. Das Wachstum des Gesamtwerts und zumindest die Konstanz des auf die Bevölkerung bezogenen normierten Werts sollte das dauerhafte Ziel sein.
Nicht Wachstum, sondern Nicht-Wachstum hat Grenzen, die sich ethisch-moralisch ergeben.

Montag, 5. August 2013

Lob der Politikverdrossenheit

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG wurde gefragt, auf was er lieber verzichten würde, sein Handy oder sein Wahlrecht. Mit vehementer Selbstverständlichkeit gab er an, lieber auf das Handy denn auf sein Wahlrecht zu verzichten.
Es soll nun nicht um die Wahrhaftigkeit und Durchdachtheit seiner imaginären Entscheidung gehen, eher um die Frage, warum die Mehrheit der Deutschen, wenn sie ganz ehrlich gewesen wären, die andere Wahl getroffen hätten, mehr noch, warum die Deutschen sich kaum noch für das öffentlich politische der Nation interessieren, höchstens im Sinne einer medialen Unterhaltungsplattform. Engagez-vous ist nicht en vogue.
Die Antwort soll zeigen, dass die Haltung aus der jeweiligen Sichtweise des Einzelnen höchst vernünftig, also rational ist, und daher mitnichten als asoziales Verhalten der dumpfen Masse zu diskreditieren.
Zum einen geht es uns gut in Deutschland. Fast alle haben Arbeit und die, die keine haben, bekommen vom Sozialstaat einen Ausgleich, von dem sich ohne materielle Existenzängste gut leben lässt. Die Letztgenannte Minderheit soll nicht Gegenstand der Betrachtung sein, vielmehr die große Mehrheit, der es gut geht, da in Lohn und Brot einer ordentlichen Tätigkeit. Diese Mehrheit kann sich Freizeit, Urlaub, Müßiggang, Erholung, Sport, Unterhaltung, Vergnügung leisten. Und nicht nur dies. Durch den Einzug der Smartphones und des Internet ist eine fast unendliche Fülle an Beschäftigungsmöglichkeiten und Unterhaltung für alle gegeben. Eine persönliche absolut fühlbare Verbesserung der Situation ist objektiv betrachtet nur schwer zu erreichen, durch eine Änderung politischer Regelungen oder Rahmenbedingungen annähernd völlig ausgeschlossen oder zumindest aussichtslos.
Zum zweiten hat die heutige Generation der 30-50 jährigen große Ideologie-Vorbehalte. Die Generation, der man in der Jugend permanent die Schrecken des dritten Reiches vor Augen gehalten hat, verbunden mit der Forderung, dass der einzelne in einer analogen Situation den heldenhaftem Widerstand zu ergreifen habe, kommt in ihrer kühl-rationalen Selbstanalyse zu dem ehrlichen Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit des Heldentums bei ihnen wie bei der Generation des dritten Reichs, gering ist. Ein Glaube an eine moralische Überlegenheit ist jedenfalls nicht unterhalb einer nach außen getragenen politschen Korrektheit, die diese Überlegenheit suggerieren möchte, substantiell vorhanden.
Zum dritten weiß der einzelne, im Gegensatz zu Herrn Döpfner, deutlich besser um die Begrenztheit des Einflusses der einzelnen Stimme bescheid und hält so sein Engagement auf einem rationalen Niveau, so dass der Engagement-Input, den er zu leisten bereit ist, dem erwarteten gesellschaftlichen Mehrwert entspricht. Denn auch ohne die Stimme des Einen für eine der etablierten Parteien, werden diese von einer Mehrzahl gewählt. Debatten werden auch ohne den Einen geführt. Piratenhaftes Involvieren aller ist derzeit in Mode, aber nur begrenzt ehrlich gemeint in den großen Parteien. Und selbst wenn es ehrliche Involviertheit aller gäbe, wie wäre es beispielsweise möglich, die heute real existierende Gefahr eines Atomkriegs, welche kaum in einer Debatte zu finden ist, zu reduzieren, bzw. diese zu bekämpfen aus Sicht des Einen? Eine Aktivierungsenergie zur Entflammung der Debatte, mit schließlich realen Wirkungen in den Handlungen von atomaren Mächten scheint im ersten Moment zu groß als dass man sich nicht wieder schnell von der fixen Idee verabschieden wird.
Wenn nun aber immer mehr, gar alle so denken und sich nicht politisch engagieren? Diese Kantsche Frage ist zwar berechtigt, aber die Antwort ist, dass dies nicht sprunghaft passieren wird. Wenn beispielsweise immer mehr Menschen nicht wählen würden und etwa die Gefahr besteht, dass ungewollte, gar nicht-demokratische Kräfte erstarken, so wandelt sich das Gleichgewicht aus Engagement-Input und gesellschaftlichem Mehrwert in der Art, dass der heute politikverdrossene Mittelschichtler seine Stimme wieder erheben wird und selbstverständlich wählen geht.
Die Demokratie muss es aushalten, dass der Souverän sein individuelles Einbringen in die Regeln, Handeln und Effizienz des politischen Systems selbst bestimmen und auch in starkem Maße reduzieren darf. Die Aufgabe der engagierten im politischen Betrieb ist die immer wiederkehrende Aufforderung der anderen zum Engagement, zur Teilhabe, verbunden mit der Offenheit, dass der Fragende mit einer Antwort rechnen muss. Ist die Frage ernst gemeint, muss die Antwort ebenso genommen werden.

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